{"id":1411,"date":"2021-12-03T18:05:00","date_gmt":"2021-12-03T17:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fidacta.com\/?p=1411"},"modified":"2022-04-22T16:10:25","modified_gmt":"2022-04-22T14:10:25","slug":"historie-des-treuhaenders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fidacta.com\/en\/2021\/12\/03\/historie-des-treuhaenders\/","title":{"rendered":"Historie von Beitragsanpassungsklauseln"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"1411\" class=\"elementor elementor-1411\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-64c72b7 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"64c72b7\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-564b2599\" data-id=\"564b2599\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-2afab4c9 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"2afab4c9\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t<p>Von der Allgemeinen Haftpflicht-Versicherung (1965) \u00fcber die 80er Jahre (Kasko, Rechtsschutz, Hausrat) in die liberalisierte Welt ab 1994\/95<\/p><p><strong>\u00a0<\/strong><\/p><p><strong>Historie von Beitragsanpassungsklauseln (BAK) mit Treuh\u00e4nderbeteiligung in der Schadenversicherung in Deutschland<\/strong><\/p><p>Die folgende Darstellung fasst meine pers\u00f6nliche Erfahrung zusammen. Insofern besteht kein Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und Richtigkeit. Einige Details beruhen auf Angaben \u00c4lterer (die dabei waren) mir gegen\u00fcber.<\/p><p><strong>Der Anfang &#8211; Allgemeine Haftpflicht<\/strong><\/p><p>Das Bundesaufsichtsamt f\u00fcr das Versicherungswesen (BAV) hat im Jahr 1965 \u00a7\u00a08 Ziffer\u00a0III der AHB, der die Pr\u00e4mienangleichung enth\u00e4lt, genehmigt (siehe Ver\u00f6ffent\u00adlichungen des Bundesaufsichtsamtes f\u00fcr das Versicherungs- und Bausparwesen Nr.\u00a010 vom 31.\u00a0Oktober 1965).\u00a0 Diese BAK enth\u00e4lt erstmals eine Treuh\u00e4nderregel: Der Treuh\u00e4nder ermittelt entsprechend der BAK, wie sich Versicherungsbeitr\u00e4ge ver\u00e4ndern. Vorher wurden Beitragsanpassungen von den Versicherern beim BAV beantragt und \u2013 zum Teil nach Verhandlungen \u2013 dann genehmigt und umgesetzt. Das BAV wollte mit dieser Treuh\u00e4nder-BAK Arbeit ersparen. Als Treuh\u00e4nder kam f\u00fcr das BAV nur die staatseigene (44% der Anteile beim Bund, 55% verteilt auf f\u00fcnf Bundesl\u00e4nder) Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft \u201eTreuarbeit\u201c in Frage.<\/p><p><strong>Die 80er: Kasko, Rechtsschutz, Hausrat<\/strong><\/p><p>Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden die Tarife in der Kaskoversicherung freigegeben, sie unterlagen nicht mehr der Pr\u00fcfung und Genehmigung durch die Aufsicht. Angesichts der guten Erfahrung mit dem Treuh\u00e4nderverfahren in der Allgemeinen Haftpflichtversicherung \u00fcbernahm der immer noch staatliche Treuh\u00e4nder \u201eTreuarbeit\u201c auch in der Kaskoversicherung weitere Aufgaben: Zum einen die F\u00fchrung des Typklassenverzeichnisses f\u00fcr Pkw (und damit der Einstufung neuer Fahrzeuge sowie der j\u00e4hrlichen Umstufung des Bestandes), zum anderen die marktweit einheitliche Ermittlung von Beitragsanpassungss\u00e4tzen in Voll- und Teilkasko. Dazu trat noch die Ermittlung von Regio-Indizes f\u00fcr Pkw. Alle \u00c4nderungen in der Kaskoversicherung wurden vom BAV bestandswirksam umgesetzt.<\/p><p>Ebenfalls Anfang der 80er Jahre wurde in einem Vergleich vor dem Bundesverwaltungsgericht unter Beteiligung von Bundeskartellamt und BAV eine BAK f\u00fcr die Rechtsschutzversicherung ins Leben gerufen \u2013 auch diese mit Treuh\u00e4nder. Auch hier wurde die \u201eTreuarbeit\u201c berufen, einmal j\u00e4hrlich Beitragsanpassungss\u00e4tze zu ermitteln. Diese Regelungen galten aber nur f\u00fcr das Neugesch\u00e4ft.<\/p><p>Schlie\u00dflich kam nach dem Muster der Rechtsschutzversicherung mit den VHB 84 in der Hausratversicherung ebenfalls eine BAK f\u00fcr das Neugesch\u00e4ft auf den Markt.<\/p><p>Aufgrund von Bedenken des Bundeskartellamts wurde die BAK mit den AKB 88 ge\u00e4ndert: Es wurden vom Treuh\u00e4nder nunmehr unternehmensindividuelle Beitragsanpassungss\u00e4tze ermittelt, deren Berechnung auf den Daten des jeweiligen Unternehmens beruhten und auf einen Korridor um die Marktdurchschnittswerte begrenzt wurden. Die \u201eabgeschnittenen\u201c Teile wurden in das n\u00e4chste Jahr vorgetragen, nicht umgesetzte Erh\u00f6hungspotentiale konnten ebenfalls vorgetragen werden. Der Treuh\u00e4nder hatte vielfach die Gelegenheit, Vorstandsmitgliedern einzelner Versicherer die Rechenlogik ihrer eigenen Anpassungsklausel zu erl\u00e4utern.<\/p><p><strong>Die 90er: Liberalisierung 1994\/1995<\/strong><\/p><p>Mit der EU-weiten Liberalisierung des Versicherungsmarktes wurden auch die Tarife in der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung freigegeben. Mit dem Typklassentarif \u00fcbernahm der Treuh\u00e4nder \u201eTreuarbeit\u201c auch die Typklasseneinstufung f\u00fcr Pkw in KH sowie die Ermittlung der Regio-Indizes f\u00fcr KH.<\/p><p>Mit der EU-weiten Liberalisierung waren die Versicherer nicht mehr zu markteinheitlichen Bedingungswerken verpflichtet (Aufsichtsphilosophie bis dahin: einheitliche Bedingungen, Wettbewerb \u00fcber den Preis) \u2013 und nutzten die neue Freiheit gerne. So gab es viele Unternehmen, die in verschiedenen Sparten neue Versicherungsbedingungen gestalteten, die eine unternehmenseigene Beitragsanpassungsklausel mit Treuh\u00e4nderbeteiligung enthielten. Typischerweise war jedoch nicht mehr der Treuh\u00e4nder derjenige, der die Anpassungss\u00e4tze ermittelte, sondern der Versicherer.\u00a0 Der Treuh\u00e4nder bekam eine pr\u00fcfende Rolle: Eine Beitragsanpassung war danach nur zul\u00e4ssig, wenn ein unabh\u00e4ngiger Treuh\u00e4nder best\u00e4tigte, dass sie den Versicherungsbedingen (also der jeweiligen BAK) entspricht.<\/p><p>Liberalisierungstendenzen trafen auch den Treuh\u00e4nder \u201eTreuarbeit\u201c: Die \u201eTreuarbeit\u201c wurde entstaatlicht und landete schlie\u00dflich als Teil einer Landesgesellschaft bei PwC.<\/p><p><strong>Das neue Jahrtausend<\/strong><\/p><p>Nach dem Jahr 2000 f\u00fchrten viele Versicherer in der Geb\u00e4udeversicherung eine BAK mit Pr\u00fcfung durch den Treuh\u00e4nder ein. In der Kraftfahrtversicherer spielt der Treuh\u00e4nder f\u00fcr die BAK bei den meisten Versicherern keine Rolle mehr, in der Typklassen- und Regionalstatistik ist er geblieben.<\/p><p>Ab 2008 hat die Fidacta bei vielen Versicherern Aufgaben des Treuh\u00e4nders f\u00fcr unternehmensindividuelle BAK \u00fcbernommen, die Aufgaben des marktweiten Treuh\u00e4nders f\u00fcr Allgemeine Haftpflicht, Rechtsschutz und Hausrat wanderten zu EY.<\/p><p><strong>Quellenfunde<\/strong><\/p><p><strong>Bundeskartellamt &#8211;<\/strong> T\u00e4tigkeitsbericht 1981\/82, Stand: 01.06.1983, S. 84:<\/p><p>\u201eDer Bundesminister f\u00fcr Wirtschaft hat am 13. Dezember 1979 die Tarife f\u00fcr die Fahrzeug-Vollversicherung freigegeben; sie unterliegen somit seit Anfang 1982 nicht mehr der Genehmigung durch das Bundesaufsichtsamt. Der HUK-Verband hat darauf zun\u00e4chst die Grundlagen der Beitragstarifierung in Form eines Kalkulationskartells vereinheitlichen wollen. Sp\u00e4ter hat er seinen Mitgliedern die Anwendung der von ihm ausgearbeiteten \u00c4nderungen von Bedingungen und Tarifbestimmungen empfohlen. Das Bundesaufsichtsamt hat durch Verordnung vom 17. Dezember 1981 (VerBAV 1982, 154) diese \u00c4nderungen f\u00fcr die bestehenden Versicherungsvertr\u00e4ge in Kraft gesetzt. Die M\u00f6glichkeit der Mi\u00dfbrauchsaufsicht des Bundeskartellamtes ist damit strittig geworden.\u201c<\/p><p><strong>AHB 65<\/strong><\/p><p>Das Bundesaufsichtsamt f\u00fcr das Versicherungswesen (BAV) hat im Jahr 1965 \u00a7\u00a08 Ziffer\u00a0III der AHB, der die Pr\u00e4mienangleichung enth\u00e4lt, genehmigt (siehe Ver\u00f6ffent\u00adlichungen des Bundesaufsichtsamtes f\u00fcr das Versicherungs- und Bausparwesen Nr.\u00a010 vom 31.\u00a0Oktober 1965).<\/p><p><strong>ARB 81<\/strong><\/p><p>Das Bundesaufsichtsamt f\u00fcr das Versicherungswesen (BAV) hat im Jahre 1981 den Rechtsschutzversicherungsunternehmen eine Beitragsangleichungsklausel zu den ARB 81 genehmigt. Zum Wortlaut der vom BAV genehmigten Fassung der Beitrags\u00adangleichungsklausel siehe Ver\u00f6ffentlichungen des BAV\u00a01984, Seite\u00a0172.<\/p><p><strong>VHB 84<\/strong><\/p><p>Das Bundesaufsichtsamt f\u00fcr Versicherungswesen (BAV) hat im Jahr 1984 Allge\u00admeine Hausratversicherungsbedingungen (VHB 84) genehmigt (siehe Ver\u00f6ffent\u00adlichungen des BAV 8\/84, Seite 284), die in \u00a7\u00a016 Nr.\u00a02 eine Pr\u00e4mienangleichungs\u00adklausel enthalten<\/p><p><strong>AKB 88<\/strong> ver\u00f6ffentlicht im Bundesanzeiger 1988 S. 3658<\/p><p>\u201eAllgemeine Bedingungen f\u00fcr die Kraftfahrtversicherung &#8211; (AKB 1988)<a href=\"https:\/\/beck-online.beck.de\/Dokument?vpath=bibdata%2Fges%2Fakb1988%2Fcont%2Fakb1988.htm&amp;anchor=Y-100-G-AKB1988#FN1\">1<\/a>In der Fassung vom 26. Juli 1988\u201c\u00a0<\/p><p>(Amtliche Anmerkung: Die AKB i.d.F vom 18. 12. 1970, zuletzt ge\u00e4ndert am 28. Juni 1988 (BAnz. S. 3025) sind durch Genehmigung der Versicherungsaufsichtsbeh\u00f6rden in der Gliederung vor Abschnitt A und in den \u00a7\u00a7 3, 7, 8, 9a und 12a ge\u00e4ndert und in den \u00a7\u00a7 12b bis 12d sowie 16 bis 23 neu gefa\u00dft worden. Die \u00c4nderung der Gliederung vor Abschnitt A und der \u00a7\u00a7 3, 7, 8 und 9a finden gem\u00e4\u00df \u00a7 9a Abs. 3 AKB auch auf bestehende Versicherungsverh\u00e4ltnisse Anwendung. Die \u00c4nderung bzw. Neufassung der \u00a7\u00a7 12a bis 12d ist mit Wirkung vom 10. Juli 1988 durch die Verordnung \u00fcber die \u00c4nderung der Allgemeinen Bedingungen f\u00fcr die Kraftfahrtversicherung (AKB) vom 28. Juni 1988 (BAnz. S. 3025) auch f\u00fcr bestehende Versicherungsvertr\u00e4ge in Kraft gesetzt worden, wobei \u00a7 12c nur auf nach dem 30. Januar 1986 abgeschlossene Versicherungsvertr\u00e4ge Anwendung findet.Die \u00a7\u00a7 16 bis 23 AKB sind den neuen Allgemeinen Unfallversicherungs-Bedingungen (AUB 88) angepa\u00dft worden und gelten \u2013 vorbehaltlich abweichender Satzungsbestimmungen einiger Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit \u2013 nur f\u00fcr neu abgeschlossene Vertr\u00e4ge. Die Neufassung der AKB wurde am 26. 7. 1988 vom Bundesaufsichtsamt bekannt gemacht.)<\/p><p>ge\u00e4ndert durch Bekanntmachung \u00fcber die \u00c4nderung von Bedingungen in der Kraftfahrtversicherung vom 04. 12. 1991 (BAnz. S. 8274)<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Allgemeinen Haftpflicht-Versicherung (1965) \u00fcber die 80er Jahre (Kasko, Rechtsschutz, Hausrat) in die liberalisierte Welt ab 1994\/95 &nbsp; Historie von Beitragsanpassungsklauseln (BAK) mit Treuh\u00e4nderbeteiligung in der Schadenversicherung in Deutschland Die folgende Darstellung fasst meine pers\u00f6nliche Erfahrung zusammen. Insofern besteht kein Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und Richtigkeit. 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